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Segeln in subtropischen Gewässern

Wie schon in der letzten Saison, flogen wir auch in diesem Jahr direkt von Hannover zu den kapverdischen Inseln. Heimathafen war wieder Palmeira auf Sal. Wir hatten uns vorgenommen, mehr zu segeln als im letzten Jahr und auch die langen Strecken in Angriff zu nehmen. Nach erfolgter Übernahme der MONICA starten wir am folgenden Nachmittag […]

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 Wolfgang Niggeweg

 | 25.06.2018,

 10:05

Wie schon in der letzten Saison, flogen wir auch in diesem Jahr direkt von Hannover zu den kapverdischen Inseln. Heimathafen war wieder Palmeira auf Sal. Wir hatten uns vorgenommen, mehr zu segeln als im letzten Jahr und auch die langen Strecken in Angriff zu nehmen.

Nach erfolgter Übernahme der MONICA starten wir am folgenden Nachmittag in Richtung Westen zur Nachbarinsel Sao Nicolao. Waren die ersten Stunden noch ganz  entspannt, stellte sich bei fast allen Crewmitgliedern ein allgemeines Unwohlsein ein, dass uns heftig die Nacht verhagelte. Grund war wahrscheinlich ein verdorbenes Essen, denn es werden ja nicht alle gleichzeitig seekrank. Nach 23 Stunden und 117 Seemeilen (sm) machten wir in der Bucht von Tarrafal fest, erholten uns ein wenig, um am nächsten Tag den Tagestörn nach Mindelo  zu erledigen.

Diese alte Seefahrerstadt liegt auf der zweitwestlichsten Insel, Sao Vicente. Auf dem Weg dorthin wurden wir von einem ½ Meter Bonito (ein kleiner Thunfisch) überrascht, der unbedingt das rosa Bonbonpapier von unserem Angelhaken naschen wollte mit der Folge, dass wir ihn dann vernascht haben. Der Fang gelang genau zur richtigen Zeit, an einem Freitag in katholischen Gewässern. Mindelo war vor vielen Jahrzehnten Zwischenstation für Schiffe und Flugzeuge, die über den Atlantik nach Südamerika wollten und Treibstoff bunkern mussten. Den daraus entstandenen alten Reichtum sieht man der Stadt an einigen Stellen durchaus noch an. Selbst einen amtlichen Hafen mit Stegen und Sanitäranlagen gibt es. Wir brauchten nur gut 9 Stunden für 50 sm, hatten den ganzen Abend und den nächsten Tag, um die Stadt ein wenig kennen zu lernen. Der Ausflug hat sich jedenfalls gelohnt!

Auf zur nächsten Insel! Ziel war nun die Hauptstadt Praia auf Santiago, dass wir mit einem Zwischenstopp in Tarrafal (gibt es auf fast jeder Insel) erreichen wollten. Tarrafal bot uns nach 24 Stunden und 137 sm die wohl schönste Ankerbucht der Reise und im Ort war es auch angenehm. Jedoch wollten wir im Zeitplan bleiben und nicht unseren Puffertag verlieren. Darum ging es am nächsten Tag weiter nach Praia (9 Stunden, 40 sm). Zu unserer völligen Überraschung ging dem Wind im südwestlichen Schatten der Insel völlig der Schwung verloren. So mussten wir 5 Stunden motoren, um das Ziel zu erreichen. Immerhin verkürzte uns eine ansehnliche Walschule die Wartezeit an Bord. In Praia selbst vertrieb uns die Polizei vom  laut Törnführer vorgesehen Ankerplatz und schickte uns in den Fischereihafen, wo wir in dubioser Nachbarschaft an einem bewohnten Seelenverkäufer festmachten. Wenn unser Skipper nicht stundenlang der kapverdischen Bürokratie hätte huldigen müssen, hätten wir wohl gleich am nächsten Morgen den Anker gelichtet. So mussten wir dort leider noch eine Nacht verbringen (nie mehr als 2 Leute von Bord!)  und haben am nächsten Morgen beim ersten Büchsenlicht und ganz leise Fersengeld gegeben.

Ziel: die Stadt Maio auf der gleichnamigen Insel im Südosten des Archipels. Nach bereits gut 6 Stunden und 35 sm kamen wir dort an. Gesichtete Haie führten zu reduzierter Körperpflege im Ozean. Macht aber nichts, wenn alle gleich riechen. Maio als Ort war im Vergleich zu den üblichen Orten – außer Mindelo – der wohl angenehmste und der einzige mit Strandpromenade.

Nun deutete sich langsam die Rückkehr nach Palmeira an und es zeigte sich, dass die Vorhaltung eines Zeitpuffers genau richtig war. Start nach Sal Rei auf Boavista war morgens um 5:20 Uhr mit dem Ziel, diese Bucht noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen, denn die Einfahrt dort bietet Tücken und Riffe in ausreichender Zahl, um  die Reise ad hoc zu beenden. Wir kamen zwei Stunden vor Sonnenuntergang an, jedoch einen Tag später! Der Kanarenstrom, der von Nordosten kommend unserem Kurs ziemlich genau entgegenstand, drückte uns mit gut 2 Knoten nach Westen und nach Süden. Aus geplanten 12 Stunden wurden 35, aus  ca. 80 sm geseglte 158. Aber wir kamen heile dort an, mit reduzierten Vorräten zwar, aber für eine Mahlzeit hat es gereicht. Am Ostersamstag einkaufen ist in einem katholischen Land natürlich kaum möglich.

Umso überraschender, das wir nach dem letzten Segeltag nach Palmeira (Sal, 11 Stunden, 50 sm) am Ostersonntagabend dort nicht nur einkaufen konnten, sondern das Dorf völlig überfüllt vorfanden. Offensichtlich waren fast alle Inselbewohner dort zum Feiern eingefallen. Grills und Getränkestände an jeder Ecke, aber wir entschieden uns für ein ¼ Lamm im Sitzen. Es wurde ein lange Nacht und das dieses Mal ohne Segeln!

Fazit: 117 Stunden gefahren, fast nur unter Segeln, 587 sm, etwa die Strecke Hannover – Mailand. Alle wieder gesund geworden, niemanden verloren, alle zufrieden.  Die Kapverden sind nun für uns wahrscheinlich nautische Geschichte. Mal sehen, was der Segelchef demnächst ausgräbt.

 

Schiff ahoi!

Wolfgang Niggeweg

 

 

 

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