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DIE HSC-SEGLER IN AFRIKA: Das kapverdische Abenteuer

Vor etwa einem Jahr trat der Segelchef mit der absurden Idee nach vorne, 2017 im Februar zu segeln. Den durchaus berechtigten, auf die avisierte Jahreszeit gezielten Einwand mit den tiefen Temperaturen wischte er mit einem entschiedenen “Da nicht!” beiseite. In kürzester Zeit war diese Tour ausverkauft, auch zwei Segel-Rookies konnte der Atlantik nicht schrecken – […]

von

 Jan Teichmann

 | 24.03.2017,

 13:28

Vor etwa einem Jahr trat der Segelchef mit der absurden Idee nach vorne, 2017 im Februar zu segeln. Den durchaus berechtigten, auf die avisierte Jahreszeit gezielten Einwand mit den tiefen Temperaturen wischte er mit einem entschiedenen “Da nicht!” beiseite.

In kürzester Zeit war diese Tour ausverkauft, auch zwei Segel-Rookies konnte der Atlantik nicht schrecken – zunächst jedenfalls. So bestiegen wir also erwartungsfroh das Flugzeug in Hannover, um 7 Stunden später auf der kapverdischen Insel Sal anzukommen. Die kurze Fahrt zum Hafen Palmeira brachte dem Taxifahrer in Ausnutzung unserer anfänglichen Unkenntnis locker den doppelten Preis. Angekommen, wurden wir vom Vertreter des Vercharterers bestens empfangen. Ein Teil der Mannschaft wurde direkt zum Einkaufen gefahren, ein anderer samt kompletten Gepäck per Wassertaxi zur gemieteten Yacht, die in der Bucht vor Anker lag. Die Übernahme der WHISKY

war problemlos, der Einkauf wurde verstaut und die ersten Törnpläne gemacht. Abends an Land lernten wir Karl-Heinz kennen, einen der Gestrandeten, die es wohl in fast jedem Weltwinkel gibt. Jedenfalls zeigte er uns Franks Wohnzimmer, wo uns kurze Zeit später die hungrigen Mäuler gestopft wurden.

8. Februar: der erste Segeltag sollte einem Probeschlag dienen. Bei fast beständig gleichen Windverhältnissen wollten wir auf kürzerer Strecke testen, ob der Rückweg von Sao Nicolau gegen den kräftigen NO-Passat problemlos gelingen kann. Ergebnis: scheinbar positiv. Den Frischlingen ging es unterwegs nicht so gut. Kann vorkommen am ersten Tag auf See. Erstaunliche Entdeckung: fliegende Fische können tatsächlich fliegen.

9. Februar – 10. Februar: der erste Tagesschlag führte uns zur Nachbarinsel Boavista. Problemlos und vor der Backstagsbrise erreichten wir das Ziel. Die Bucht vor dem Hafen Sal-Rei ist voller Schiffe. Manche schwimmen noch, einige liegen schon lange auf Grund, denn das Gebiet ist tückisch und voller Riffe.

Das Ankern gelingt erst im x-ten Anlauf und der Skipper ordnet für die Nacht Ankerwache an. Am nächsten Morgen, nach Sonnenaufgang, hält der Anker tatsächlich nicht mehr. Wir verholen um die vorgelagerte Insel, passieren das Englische Riff und ankern auf der anderen Seite des Hafens. Das liegt zwar weiter weg, ist aber deutlich sicherer. Die ersten beiden Tage haben den ersten Neuling geschafft. Es ist wohl zu viel Wasser im Atlantik. Sein Versuch, ein Wassertaxi zu organisieren, scheitert an seinem Handy-Guthaben. Nach 5 Minuten sind die 30 € aufgebraucht. So steht er winkend im Cockpit und hofft, dass einer der Fischer ihn mit an Land nimmt. Nach einiger Zeit gelingt das und er mietet sich für den Rest unserer Zeit im nächsten Hotel ein.

11. Februar: Früh am Morgen geht der Anker hoch. Wir wollen zur Insel Santiago, die ein beträchtliches Stück entfernt liegt und diese bei Tageslicht erreichen, denn: “If in doubt, stay out”. So wiederholt es der Törnführer gebetsmühlenartig nach jedem 2. Absatz. Da wir die WHISKY jedoch nicht so richtig zum Laufen bekommen, entscheiden wir uns nach einem Viertel der Strecke zur Umkehr. Aber gegen den Passat und den Kanarischen Strom erreichen wir Boavista auch erst im Dunkeln. Da wir aber das Englische Riff schon einmal im Hellen passiert haben, wagen wir die Einfahrt ganz langsam, ganz vorsichtig und ebenso erfolgreich.

12. Februar: Der Hafentag beginnt mit der Katzenwäsche im Atlantik. In kurzem Abstand treibt ein brauner Koffer an mir vorbei. “Darf ja wohl nicht wahr sein!” denke ich gerade, als der Koffer seinen Kopf heraus streckt und die Schildkröte sich dann in aller Ruhe wieder in die Tiefe verzieht. Wir gehen mit dem Beiboot an Land und treffen Finn wieder, der sich hier offensichtlich wohler fühlt als auf dem Schiff. Ein Schwertfisch-Essen an der Mole beendet den Tag – eigentlich. Denn der Außenborder des Dinghis streikt und es muss gepaddelt werden. Anstrengend und nass.

13. Februar – 14. Februar: Auch am Morgen funktioniert der Außenborder nicht, deshalb segeln wir zurück zum Heimathafen Palmeira, in der Hoffnung auf eine erfolgreiche Reparatur. Die Auskunft, dass alle 40 (!) baugleichen Motoren des Vercharterers das gleiche Problem haben, ist nicht zielführend. Der Schwimmer im Vergaser verkante sich gerne und müsse mittels kräftiger Schläge mit halbschwerem Gerät immer wieder gelöst werden. Na prima. Am nächsten Tag fahren wir für 3 Stunden raus und wieder zurück. Wir essen abends im Vereinsheim des FC Palmeira. Dazu gibt es Champions League, Benfica – BVB. Der Vorteil im Heimathafen heißt Nelson. Im Auftrag unseres Vercharterers erfüllt er uns jeden Wunsch und fährt uns hin und her, so oft wir wollen.

15. Februar – 16. Februar: Beim ersten Büchsenlicht holen wir den Anker hoch und machen uns auf den Weg nach Tarrafal auf San Nicolau. In Begleitung von Delfinen und fliegenden Fischen haben wir einen tollen Segeltag. Endlich lief das Schiff, bis zu 12 kn schnell. Nach 13 Stunden und Sichtung einer Buckelwalbrustflosse wurde es auch hier wieder dunkel, aber der Landfall war gefahrlos und wir konnten schließlich sicher ankern.

Am nächsten Tag wieder das Schwimmerproblem mit dem Beiboot. An Land kamen wir noch, aber dann ging nichts mehr. Die Reparatur durch den “Mechanico” war letztlich erfolglos. Sie wurde durch viele Leute, äh, begleitet, die nachher alle entlohnt werden wollten. So flüchteten wir paddelnd, was Horst seine Kamera kostete.

17. Februar: wieder Richtung Osten, nach Boavista. Gegen Wind um Strom brauchen wir nun 17 Stunden. Zwischendurch dringt Wasser durch die Bodenbretter, das wir per Hand lenzen. Das will beobachtet sein, aber ein größeres Problem wurde es nicht. Dunkel beim Einparken? Na und? Unterwegs um 19 Uhr habe ich Jubiläum: meine 10.000ste Seemeile. Immerhin fast halb um die Welt. In der Bucht ist es nun unbequem. Hohe Wellen schlagen hinein und das Wasser will auch wieder heraus. So wird es eine unruhige Nacht.

18. Februar: Wir beschließen, heute den letzten Schlag zu machen und segeln zurück nach Palmeira. Unterwegs reißt das Fockfall und ein Ersatz ist nicht vorgesehen auf unserem Seelenverkäufer. Da unser Schiff sowieso schon reichlich luvgierig unterwegs ist, erledigen wir den Rest unter Maschine.

19. Februar: Zurück in Palmeira, Sight-Seeing. Der Morgen beginnt mit der Frage eines französischen Weltumseglers, ob wir ihm nicht ein paar Fische abnehmen wollen. Wollen wir gerne, abends gibt es Papageienfischsuppe und Papageienfischfilets, nachdem wir den Tag in einem Salzbergwerk und im Touristenzentrum Santa Maria verbracht haben. Am Strand bemerkt Aki den Verlust seiner Kamera. Das ist nun schon die zweite, es wird also nicht so viele Fotos geben.

20. Februar: Seesack packen und chillen in Palmeira, mehr nicht.

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